Wenn ich einmal reich wär’….

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(Foto: wikicommons / Buzz Tweed)

Reich wär ich schon gerne, Sie vielleicht auch, der reichste Mann der Welt sein vielleicht sogar. Jakob Fugger zum Beispiel, um 1500 mit einem auf heute umgerechneten Vermögen von 400 Milliarden Euro. Würden Sie mit dem tauschen wollen? Allerdings hätten sie den Winter dann in einem ziemlich kühlen Haus verbringen müssen ohne Strom und fließendes Wasser.

Oder würden Sie lieber mit dem ebenfalls sagenhaft reichen Nathan Rothschild aus Frankfurt tauschen? Leider hatte er 1836 das Pech, nach einem kleinen Schnitt an einer Sepsis zu sterben. Heute würde er mit Antibiotika für wenige Euro problemlos überleben.

Der Journalist Olaf Gersemann hat in einem Anteil mit diesen beiden Beispielen illustriert, wie unklar der Begriff des Reichtums ist. Offenbar ist er nur relativ zu verstehen. Und es geht dabei nicht nur um Geld, sondern auch um das Glück, das es beutetet, heute in Deutschland zu leben und nicht 1640 auf der Schwäbischen Alb oder um 800 als Kaiser auf einem kalten Thron in Worms sitzen zu müssen.

Leider hat Gersemann den Gedanken nicht weiter gesponnen. Vermutlich werden uns im 23. Jahrhundert sogar die Menschen im heute armen Afrika bedauern, wie ärmlich und kränkelnd wir Europäer im 21. Jahrhundert noch gelebt haben.

Doch das ist spekulativ. Ich bleibe da lieber beim Apostel Paulus, der mit Gottes Gnade zufrieden ist, die in den Schwachen mächtig ist. Man könnte auch sagen: Genießen wir, was wir heute haben und was uns heute reich macht – und wenn wir anderen, die weniger haben, davon abgeben können, dann genügt das uns offenbar allemal.

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The Times They Are a-Changin’

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Panta Rhei

Vor 55 Jahre nahm Bob Dylan sein erstes Album auf, das nur eigene Werke enthielt: „The Times They Are a-Changin’“. Die Themen der Schallplatte sind immer noch präsent: Krieg, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit. Dennoch hat sich gewaltig viel geändert seit damals, liegt es mir auf der Zunge zu sagen, doch dann fällt mir ein, dass ich gerade ein Jahr alt war, als Dylan nach New York kam. Vergleichen aus eigener Erfahrung kann ich die Zeiten also nicht. Aber man sollte Dylans Plattentitel auch nicht als Blick zurück, sondern als Weg voraus lesen: Die Zeiten ändern sich und wir erleben es. Wer wollte dem bei den gegenwärtigen politischen Umbrüchen widersprechen.

„Alles fließt“ – panta rhei – wusste schon der Philosoph Heraklit. Nichts bleibt wie es ist. Auch nicht in unserem Leben. Sehen Sie das negativ oder positiv? Ist es traurig, dass sich alles ändert oder finden Sie Neues interessant und inspirierend? Das kommt natürlich darauf an, was sich ändert. Wer endlich die Frau fürs Leben findet oder von einer Krankheit geheilt wird, wird es anders sehen als jemand, der das Gegenteil erleben muss.

Alles fließt, wie Wasser. So ist das Leben. Die biblische Losung für das Jahr 2018 setzt dem etwas Wichtiges drauf: Dieses lebendige Wasser kommt von Gott. Er gibt uns unser Leben „umsonst“, also ohne dass wir etwas dazu tun könnten oder müssten. Wohin uns dieses Wasser morgen trägt oder hinspült wissen wir nicht. Aber Gott ist mit uns jeden neuen Tag – auch 2018.

Mit den besten Wünschen für das neue Jahr

Matthias Treiber

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F*** ju Göhte

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(Bild: cinecittà)

Von einer „Welt, in der Chantals und Dangers Abitur machen können und nicht nur Charlottes und Maximilians“ träumt die Journalistin Katja Belousava in ihrer Filmkritik zu „Fack ju Göhte 3“. Wer die Filmtrilogie noch nicht kennt, sollte sich unbedingt zumindest den ersten Teil ansehen. Die überdrehte und zuweilen ordinäre Komödie ist ein Hochgesang auf Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit auch für die vermeintlichen Außenseiter und schrägen Typen, die hierzulande schon anhand ihrer Namen auf niedrige Bildungsziele geeicht werden.

In der Komödie wird ein kleiner Gangster aus Versehen Lehrer in einer Klasse, die aus all den Proleten und Unterschicht-Kids besteht, denen kein Akademiker gewachsen ist – und führt sie im dritten Teil nun zum Abitur. Inzwischen, so ist zu hören, wird der Film schon in der Lehrerausbildung gezeigt.

Vielleicht muss man zunächst eines begreifen: Wer lehren will, muss die Jugendlichen zunächst einmal mögen, und zwar so, wie sie sind. Und die Außenseiter sowieso.

Die ersten Menschen, die der Legende nach Jesus gesehen haben, waren übrigens allesamt Außenseiter: Die Hirten als suspekte Nachtmenschen, die Weisen aus dem Morgenland als Ausländer und Andersgläubige, und auch Maria, ein 15jähriges Mädchen, die mit einem offenbar älteren Mann in fremden Landen ist. Später scharte Jesus „Zöllner und Sünder“ um sich, die in den im Film dargestellten Schülern ein modernes Abbild gefunden haben.

„Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“ hat Jesus gesagt. „Voll geborderlined“ würde Chantal das nennen.

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500 Jahre Reformation- endlich vorbei ?

LUTHER_CDShortsEndlich vorbei mag manch Insider, jedenfalls hinter vorgehaltener Hand, sagen. Die vergangenen 12 Monate standen ganz im Zeichen „500 Jahre Luther“, fast so, als hätte er die berühmten Thesen schon 1516 veröffentlicht. Die Luft war also, wie ein Beobachter feststellte, schon vor dem Jubiläumstag 31.10.2017 raus.

Sei’s drum, es gilt sowieso, nun den Blick voraus zu richten. „Wo möchten Sie in zehn Jahren stehen“ heißt die Standardfrage, die die lutherische Kirche in Indianapolis (siehe Artikel rechts) ihren Gemeinden stellt. Eine Kirche, die den Menschen nahe bleibt, denke ich, sollten wir sein, auch wenn sich die Lebensumstände in den nächsten Jahren dramatisch verändern:

Wir wohlgenährten Baby-Boomer gehen in den Ruhestand. Das wird nicht nur die Renten- und Pflegeversicherung vor Herausforderungen stellen. Wir sind es gewohnt, zu bestimmen, und die Leiterin eines Pflegeheims hat es ganz offen formuliert, dass Heimbetreuung ganz anders aussehen muss, wenn eine Generation einzieht, die sich von anderen ungern etwas sagen lässt. In der Kirche wird es nicht anders sein.

Multikulti war wohl nur Folklore, aber die Globalisierung lässt sich nicht aufhalten. Die Vielfalt in der Gesellschaft wird zunehmen. Religionen müssen dafür offen werden und darauf verzichten, die Menschen in Gläubige und Nichtgläubige (oder irgendwie Falsch-Gläubige) einzuordnen. Wie feiern wir in der Kirche dann Trauungen von Christen und Buddhisten?

Die Beziehungen verändern sich. Für junge Erwachsene ist es selbstverständlich, mit Freunden via Internet in den USA verbunden zu sein und per Twitter am Protest von Studenten in der Türkei teilzunehmen. Das Leben wird immer weniger in Gemeindezentren stattfinden.

Für all die Änderungen sind wir Protestanten gewappnet, den äußere Formen sind zweitrangig: Bei uns steht der Glaube (und Zweifel) des einzelnen Menschen im Mittelpunkt und die Liebe, die uns in dieser komplizierten Welt einen guten Maßstab gibt.

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Game of Thrones

Game of ThronesDass auch öffentlich-rechtliches Fernsehen richtig gut sein, hat die BBC in Großbritannien schon oft gezeigt, so 1990 mit der Serie „House of Cards“, in der ein machtbewusster Politiker allerlei Intrigen schmiedet. Das amerikanische Netflix hat dem in seinem Remake noch eins draufgesetzt: Der Bösewicht ist hier nicht wie in den Medien üblich ein Konservativer, sondern ein sozialliberaler Politiker – ein Lehrstück gegen schwarzweißes Schubladendenken, dass uns in diesen Wochen darin erinnern sollte, dass es bei der Bundestagswahl nicht um „gut gegen böse“ geht.

In die Kategorie politisch lehrreicher Fernsehserien gehört auch HBOs „Game of Thrones“, eine der erfolgreichsten aller Zeiten, in der die gebürtige Heilbronnerin Sibel Kekilli drei Staffeln lang eine Hauptrolle spielte. Hier wird uns eine Welt vor Augen gestellt, in der das Recht des Stärkeren gilt. Jeder scheint jederzeit ums Überleben zu kämpfen. So – dies die Lehre – sieht eine Welt aus, in der der Staat kein Gewaltmonopol hat und in der politische Führer sich nicht beim G20 oder in der UN treffen, sondern nur auf dem Schlachtfeld.

Dankbar sollten wir deshalb für die politischen Verhältnisse bei uns sein. Demokratische Parteien ringen um Lösungen, darum geht es bei Wahlen. Alles Politische ist, auch nach Meinung der evangelischen Bekenntnisschriften, vorläufig. Es geht nicht um das Heil auf Erden, sondern um möglichst beste Lösungen. Es geht darum, wie wir unsere Freiheit am besten schützen, erhalten und gestalten.

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Hasenohren

Snapchat LogoFür Snapchat bin ich definitiv zu alt. Schnappschüsse von anderen mit langen Ohren zu verzieren, erinnert mich an meine Kindheit, als man sich Häschenwitze erzählte; irgendwann waren die nicht mehr lustig. Dennoch betrug die Marktkapitalisierung beim Börsengang über 28 Milliarden Dollar. Offenbar verspricht man sich von dem Bildchenverbreiter eine große Zukunft, nachdem dort nun Stories gepostet werden können. Schon jetzt hat Snapchat mehr Nutzer als Facebook.

Schade, dass es solche Massenger-(„Botschafter-„) Dienste nicht schon in meiner Jugend gab, denke ich. Am besten allerdings die, die man speichern kann. Jetzt noch einmal WhatsApp-Chats aus der Schulzeit zu lesen, stellen ich mir sehr erhellend vor. Neigt man doch dazu, die Vergangenheit zu verklären: Damals war man noch jung, fit und die Welt stand einem offen? Von wegen! Für den Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick war diese Verklärung der Jugend der sichere Schritt zum Unglücklichsein, weil man all die Leiden der Jugend vergisst. Wohl wahr.

Nochmal einen Chat lesen, in dem man vor Liebeskummer fast vergeht? Zitternd vor den Gemeinheiten meines Sportlehrers Angst haben? Das war tatsächlich so. Und dann die Pickel im Gesicht, die nicht weg gingen….

Snapchat-Bilder verschwinden nach maximal 10 Sekunden beim Betrachter. Vielleicht liegt darin das Geheimnis seines Erfolgs, weil es ganz gut ist, dass man die meisten Verletzungen und Unsicherheiten der Jugend vergisst.

So sollte man sich davor hüten, die Vergangenheit zu verklären. Das trifft die Wirklichkeit meistens nicht und lenkt den Blick von dem ab, was zählt: Das, was wir heute und morgen sind und tun. „Wer zurück schaut ist nicht geschaffen für das Reich Gottes,“ heißt es in der Bibel.

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Kleiderfragen

Troja

Durch Kleidung identifizierbar – Besucher in Troja (Foto: Treiber)

Mit unserer Reisegruppe stapfen wir durch die Ruinen der antiken Stadt. Gute Führung, guter Preis, was will man mehr! Um die Ecke kommt nun eine weitere Reisegruppe in beige – offenbar Senioren. Am alten Stadttor steht eine große Gruppe in karierten Hemden, eine Reise der Gewerkschaft offenbar, und am Ausgang wartet schon eine kleine Gruppe in gepflegten Jack-Wolfskin-Jacken auf Einlass, die im kleinen Bus und mit dem Baedeker in der Hand anrücken – Lehrer zweifellos.

Schön, wenn man seine Schubladen und seine Vorurteile im Kopf hat, möchte ich als ironische Spitze anbringen und merke, dass ich die eben genannten Klischees selbst im Kopf habe, und flugs meinen Baedeker verschwinden lasse.

Das Witzige ist ja: Die Klischees stimmen, wie ich durch ein bisschen Lauschen und Reden mit den Gruppen herausfinde. Offenbar lassen sich anhand bestimmter Dresscodes Gruppen milieumäßig zuordnen.

Nur, warum wir uns das an? Warum glauben Senioren, sie müssten beige Westen tragen, und Bildungsbürger, sie bräuchten teure Expeditionshalbschuhe, um die paar Schritte auf dem geteerten Weg zum Löwentor von Mykene zu gehen?

Vermutlich, weil es Sicherheit gibt, sich durch Kleidung und Verhalten einer bestimmten Gruppe zuzuordnen – und weil man sich dadurch eben auch äußerlich von anderen unterscheidet.

Interessanter sind aber die Leute, die dabei auffallen: Der weißhaarige Mann im schwarzen Hoodie und das junge Mädchen im grauen Kostüm, die ich kürzlich in der Fußgängerzone sah: Zu welcher Gruppe die wohl gehören? frage ich mich, und ärgere mich gleich darüber: Falsche Frage! Schubladen bitte schließen!

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