Game of Thrones

Game of ThronesDass auch öffentlich-rechtliches Fernsehen richtig gut sein, hat die BBC in Großbritannien schon oft gezeigt, so 1990 mit der Serie „House of Cards“, in der ein machtbewusster Politiker allerlei Intrigen schmiedet. Das amerikanische Netflix hat dem in seinem Remake noch eins draufgesetzt: Der Bösewicht ist hier nicht wie in den Medien üblich ein Konservativer, sondern ein sozialliberaler Politiker – ein Lehrstück gegen schwarzweißes Schubladendenken, dass uns in diesen Wochen darin erinnern sollte, dass es bei der Bundestagswahl nicht um „gut gegen böse“ geht.

In die Kategorie politisch lehrreicher Fernsehserien gehört auch HBOs „Game of Thrones“, eine der erfolgreichsten aller Zeiten, in der die gebürtige Heilbronnerin Sibel Kekilli drei Staffeln lang eine Hauptrolle spielte. Hier wird uns eine Welt vor Augen gestellt, in der das Recht des Stärkeren gilt. Jeder scheint jederzeit ums Überleben zu kämpfen. So – dies die Lehre – sieht eine Welt aus, in der der Staat kein Gewaltmonopol hat und in der politische Führer sich nicht beim G20 oder in der UN treffen, sondern nur auf dem Schlachtfeld.

Dankbar sollten wir deshalb für die politischen Verhältnisse bei uns sein. Demokratische Parteien ringen um Lösungen, darum geht es bei Wahlen. Alles Politische ist, auch nach Meinung der evangelischen Bekenntnisschriften, vorläufig. Es geht nicht um das Heil auf Erden, sondern um möglichst beste Lösungen. Es geht darum, wie wir unsere Freiheit am besten schützen, erhalten und gestalten.

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Hasenohren

Snapchat LogoFür Snapchat bin ich definitiv zu alt. Schnappschüsse von anderen mit langen Ohren zu verzieren, erinnert mich an meine Kindheit, als man sich Häschenwitze erzählte; irgendwann waren die nicht mehr lustig. Dennoch betrug die Marktkapitalisierung beim Börsengang über 28 Milliarden Dollar. Offenbar verspricht man sich von dem Bildchenverbreiter eine große Zukunft, nachdem dort nun Stories gepostet werden können. Schon jetzt hat Snapchat mehr Nutzer als Facebook.

Schade, dass es solche Massenger-(„Botschafter-„) Dienste nicht schon in meiner Jugend gab, denke ich. Am besten allerdings die, die man speichern kann. Jetzt noch einmal WhatsApp-Chats aus der Schulzeit zu lesen, stellen ich mir sehr erhellend vor. Neigt man doch dazu, die Vergangenheit zu verklären: Damals war man noch jung, fit und die Welt stand einem offen? Von wegen! Für den Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick war diese Verklärung der Jugend der sichere Schritt zum Unglücklichsein, weil man all die Leiden der Jugend vergisst. Wohl wahr.

Nochmal einen Chat lesen, in dem man vor Liebeskummer fast vergeht? Zitternd vor den Gemeinheiten meines Sportlehrers Angst haben? Das war tatsächlich so. Und dann die Pickel im Gesicht, die nicht weg gingen….

Snapchat-Bilder verschwinden nach maximal 10 Sekunden beim Betrachter. Vielleicht liegt darin das Geheimnis seines Erfolgs, weil es ganz gut ist, dass man die meisten Verletzungen und Unsicherheiten der Jugend vergisst.

So sollte man sich davor hüten, die Vergangenheit zu verklären. Das trifft die Wirklichkeit meistens nicht und lenkt den Blick von dem ab, was zählt: Das, was wir heute und morgen sind und tun. „Wer zurück schaut ist nicht geschaffen für das Reich Gottes,“ heißt es in der Bibel.

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Kleiderfragen

Troja

Durch Kleidung identifizierbar – Besucher in Troja (Foto: Treiber)

Mit unserer Reisegruppe stapfen wir durch die Ruinen der antiken Stadt. Gute Führung, guter Preis, was will man mehr! Um die Ecke kommt nun eine weitere Reisegruppe in beige – offenbar Senioren. Am alten Stadttor steht eine große Gruppe in karierten Hemden, eine Reise der Gewerkschaft offenbar, und am Ausgang wartet schon eine kleine Gruppe in gepflegten Jack-Wolfskin-Jacken auf Einlass, die im kleinen Bus und mit dem Baedeker in der Hand anrücken – Lehrer zweifellos.

Schön, wenn man seine Schubladen und seine Vorurteile im Kopf hat, möchte ich als ironische Spitze anbringen und merke, dass ich die eben genannten Klischees selbst im Kopf habe, und flugs meinen Baedeker verschwinden lasse.

Das Witzige ist ja: Die Klischees stimmen, wie ich durch ein bisschen Lauschen und Reden mit den Gruppen herausfinde. Offenbar lassen sich anhand bestimmter Dresscodes Gruppen milieumäßig zuordnen.

Nur, warum wir uns das an? Warum glauben Senioren, sie müssten beige Westen tragen, und Bildungsbürger, sie bräuchten teure Expeditionshalbschuhe, um die paar Schritte auf dem geteerten Weg zum Löwentor von Mykene zu gehen?

Vermutlich, weil es Sicherheit gibt, sich durch Kleidung und Verhalten einer bestimmten Gruppe zuzuordnen – und weil man sich dadurch eben auch äußerlich von anderen unterscheidet.

Interessanter sind aber die Leute, die dabei auffallen: Der weißhaarige Mann im schwarzen Hoodie und das junge Mädchen im grauen Kostüm, die ich kürzlich in der Fußgängerzone sah: Zu welcher Gruppe die wohl gehören? frage ich mich, und ärgere mich gleich darüber: Falsche Frage! Schubladen bitte schließen!

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2017 – Die beste Zukunft aller Zeiten

Kinder

Die Zukunft liegt vor uns…. (Foto: iStock)

„Freu dich auf die beste Zukunft aller Zeiten!“ hieß einer der schönsten Werbesprüche des Jahres 2016. Inzwischen wurde er offenbar wieder zurückgezogen; vermutlich scheint er nicht mehr in die Zeit zu passen. Dabei haben wir allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken, denn es geht uns Menschen auf der Welt immer besser, so jedenfalls die Ergebnisse der Website „OurWorldinData.org“, auf die die sonst doch auch eher an pessimistische Ältere gerichtete Wochenzeitung „Die Zeit“ zum Jahreswechsel verwiesen hat.

Tatsächlich hat sich das Leben auf der Erde in den Jahren, seit ich lebe, deutlich verbessert. Lebten 1960 noch 64 Prozent aller Menschen in extremer Armut, so waren es 2015 nur noch knapp 10 Prozent. Während bei meiner Geburt nur 42 Prozent der Weltbevölkerung lesen und schreiben konnten, sind es jetzt über 85 Prozent. Die Kindersterblichkeit, die als Maß für Gesundheit gilt, lag für meine Generation bei 18,5 Prozent weltweit, nun sind es noch 4,25 Prozent. Die Zahl der Kinder pro Frau, die als Maßstab für Entwicklung gelten kann, liegt nun bei 2,5 statt 5. Und politisch leben nun nicht mehr nur 39 Prozent, sondern 56 Prozent aller Menschen in einer Demokratie. Das sollten noch mehr werden, aber jedenfalls ist deutlich, dass allen schlechten Nachrichten und aller post-faktischen Wahrnehmung zum Trotz, das Leben in der Welt immer besser wird. Noch eindrücklicher wird dieses Bild, wenn man die letzten 200 Jahre überblickt. Und allein seit 1990 ist die Lebenserwartung um sechs Jahre gestiegen.

Warum ich das schreibe? Weil wir gegenüber unseren Kindern eine Verpflichtung haben: Ihnen ihre Zukunft nicht mies zu machen. Alle Daten sprechen trotz aller politischen Probleme dafür, dass es auch sie „die beste Zukunft aller Zeiten“ vor sich haben können.

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Gish-Galopp

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Lex Luthor, der Bösewicht aus „Superman“, als Präsident? Für manche Satiriker ist das wahr geworden. Aber wie? Durch Gish-Galopp? (Foto:Treiber)

Wenn Sie in einer Diskussion Punkte gut machen wollen, sei Ihnen Gish-Galopp empfohlen. So nennt man eine Technik, bei der man den Debattengegner so sehr mit Halb- und Unwahrheiten zuschüttet, dass er diese auf die Schnelle gar nicht alle widerlegen kann: „70 Prozent aller türkischstämmigen Deutschen meinen, dass bei uns zu viele Ausländer leben“; „Eine Studie zeigt, dass Handy-Strahlen Krebs erzeugen“ und ähnliche Behauptungen, die ohne Angabe einer seriösen Quelle verbreitet werden.

Vor allem in der Politik – von rechts bis links – ist diese rhetorisch unlautere Technik verbreitet. Benannt wurde sie nach Duane Gish, der damit die Evolutionslehre bekämpfte. Dahinter steht eine „vorgetäuschte Kompetenz“: Man spielt sich als Experte auf, während der andere als inkompetent dasteht, da er die angeblichen Fakten nicht so schnell widerlegen kann. In Fernsehdiskussion lässt sich das gut beobachten.

Im Ergebnis entsteht eine parallele Lebenswelt, in der nicht mehr Vernunft und Wirklichkeit zählen, sondern Verdächtigungen und Behauptungen. Man redet von „Lügenpresse“ und sieht Verschwörer am Werk.

Dem Gish-Galopp kann man kaum beikommen. Umso wichtiger, dass man darauf nicht hereinfällt. Ich habe im Lauf der Zeit ein paar Grundsätze für mich entwickelt: (1) Ich glaube nicht an Verschwörungen. (2) Ich bin misstrauisch, wenn jemand nur „Experte“ genannt wird, ohne dass er in der Sache Wissenschaftler ist. (3) Die Welt ist kompliziert. Es wird deshalb für politische Probleme weder einfache Erklärungen noch einfache Lösungen geben.

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Selfies? Ja, bitte!

 

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Die Welt oder zumindest das Abendland geht bei den Besserwissern unter den Schöngeistern mal wieder unter: Allenthalben werden Selfies gemacht, also Selbstporträts mit dem Smartphone, und die seien Ausdruck heutiger Selbstverliebtheit und von Narzissmus, war auf der Kulturseite einer Zeitung zu lesen, also da, wo sich die entsprechenden Redakteure üblicherweise gerne selbst darstellen.

Schlimm, schlimm, wenn einer sich selbst abbildet. Was mag nur im Kopf von Albrecht Dürer vorgegangen sein, als er sich auf seinem Selfie als Christus inszenierte? Ach halt, der hat ja gemalt.

Genug gespottet. Selfies haben mit Narzissmus nichts zu tun, sagen die Medienexperten, denn in der Regel werden sie beiläufig gemacht und die Personen darauf wissen, dass sie darauf selten vorteilhaft aussehen. Man ist halt irgendwo und möchte seine Bekannten daran teilhaben lassen, dass man jetzt vor dem Brandenburger Tor oder dem Louvre steht. Früher hat man deswegen eine Postkarte auf den Postweg gebracht, heute geht das sofort und man ist sogar noch selbst mit auf dem Bild.

Und wie so mancher virtuelle Weltuntergang – erinnert sich noch jemand an die Angst vor den Avataren des „Second Life“ vor zehn Jahren? – wird sich auch das normalisieren und wir dürfen uns in dreißig Jahren daran erfreuen, wie schief wir früher ausgesehen haben.

Es gilt also auch hier: Gelassen bleiben!

P.S.  Noch ein Tipp: Mit einem Selfie-Stick sieht das Gesicht wenigstens nicht immer wie ein Kürbis aus….

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Forever 50+

 

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„The Crossroads“ in Clarksdale, Mississippi (Foto: wikicommons / Joe Mazzola)

Den Fünfzigjährigen, der seine Midlife-Krise damit beendet, dass er sich eine Harley-Davidson kauft, habe ich eher für einen Witz gehalten, bis mir tatsächlich zwei grauhaarige Herren in schwarzer Lederkluft begegnet sind, die aussahen, als seien sie gerade der Filmkomödie „Born to be wild“ entsprungen, und mir auf Anhieb sympathisch waren. Jedem, wie es ihm gefällt, und lieber Bike Fahren als zuhause nörgelnd herumzusitzen.

Wir Männer der Generation 50+ sind eine wichtige Zielgruppe für alles, was vor 40 Jahren nach Revolution aussah oder wenigstens Veränderung. Denn wir kaufen, was uns das Gefühl gibt, jung zu geblieben sein: Motorräder, Vinyl-Schallplatten und definitive CD-Gesamtausgaben mit unveröffentlichen Probeaufnahmen und was es sonst noch an Spezialitäten gibt, mit dem man jemanden etwas, was er schon hat, nochmals verkaufen kann.

Befremdlich finde ich das zuweilen und Rockattitüden á la „I can’t get no satisfaction“ von 70jährigen auf der Bühne eher peinlich. Auch 50+ kann man doch Green Day und Arcade Fire hören. Spannend übrigens, dass deren Musik sich nicht einfach Rock nennt, sondern Alternative oder Indie-Rock; die 30jährigen wollen sich offenbar von uns 50jährigen abgrenzen. Es sei ihnen erlaubt.

Trotzdem finde ich es wichtig, nicht immer am Altbekannten zu hängen. Die Welt dreht sich weiter und wir mit ihr. „Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes,“ sagte (der 30jährige) Jesus. Die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern, aber unsere Zukunft. Alte Wunden zu lecken ist genauso wenig hilfreich wie alten Träumen nachzuweinen.

Obwohl: Einmal auf dem alten Highway 61 von New Orleans nach Wyoming, das wär’s gewesen! Aber gut: Bob Dylan wird ja sowieso niemals alt.

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